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Laudatio Katholischer Medienpreis 2007
für ferment
von Bruno Dörig (Schitterstr. 7a, 9413 Oberegg, Tel. 071 891 40 41) |

Bruno Dörig |
Ich hatte letztes Jahr in Hamburg zu tun, im Rahmen einer Bildungsveranstaltung. Als dann bald einmal ruchbar wurde, dass ich aus der Schweiz komme, aus dem Appenzellerland, sprach mich eine Frau an, sie müsse mir etwas sagen. – Nun, ich kenne diese Situation und war auf allerhand gefasst. Ich habe schön öfters erlebt, dass mir jemand voller Stolz ein Schweizer Taschenmesser zeigte. Ich hätte mich auch gefreut, wenn die Frau den Appenzeller Käse gelobt hätte. Ich bekam nichts dergleichen zu hören. Sondern: Sie habe einen guten Draht zur Schweiz über eine Zeitschrift, die mit sehr viel Sorgfalt gemacht sei und in einem ungewöhnlich grossen Format erscheine, sie heisse ferment. Ob ich sie kenne?
Das hat mich überrascht und noch mehr gefreut. Und nach einigem Nachdenken war mir ganz wohl beim Gedanken, dass man ferment gut einordnen könne in die Reihe jener Qualitätsprodukte, die man mit der Schweiz in Verbindung bringt (vom Taschenmesser über Schokolade und Käse bis zur NZZ). Die Wertschätzung dieser Frau aus Hamburg hat mit Qualität zu tun. Und ist ein schönes Kompliment, das ich im Rahmen dieser Laudatio gern weitergebe.
Was macht die Qualität, den Wert dieser Zeitschrift aus?
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Die Bilder
Da besteht kein Zweifel. Die ferment-Redaktion pflegt einen äusserst sorgfältigen Umgang mit dem Bild. Das einzelne Bild wird mit Bedacht ausgewählt und zum Betrachten vorgelegt. Es ist nicht Ornament, nicht nette Auflockerung oder mehr oder weniger passende Illustration. Das Bild macht eine eigenständige Aussage zum Thema. Mit gleichem Gewicht wie das geschriebene Wort. In gekonntem Zusammenspiel, oft Gestalter komponiert wie ein Musikstück. Im grossen Format, hervorragend gedruckt.
Dieser Wille zur Qualität zeigt sich auch darin, dass Bildkünstlerinnen und Künstler oft schon in der Vorbereitung einbezogen und zur eigenständigen Mitarbeit eingeladen werden. Es kann sein, dass Bilder dann die Hauptaussage machen. Texte begleiten, helfen beim Lesen, vertiefen. Das verdient besondere Erwähnung. Es ist aufwendig und kostet mehr Geld, als wenn man einfach nach dem Vorliegen der Textbeiträge via Agentur ein paar Bilder bestellt.
Das ferment bildet auf diese Weise ein Gegengewicht zur Bilderflut unserer Zeit. Wir sind von vielen, schnellen, laufenden und oft auch kleinformatigen Bildern umgeben. Das verändert unsere Sehgewohnheiten. Es könnte sein, dass wir den meditativen Umgang mit dem einzelnen Bild verlernen. Das wäre ein kultureller Verlust. Im Zusammenhang mit diesem Preis ist es von grosser Bedeutung, dass wir die Fähigkeit behalten, Bilder zu lesen, zu deuten. Ich denke an die grossen Zeugnisse christlicher Kunst, an Tafelbilder, Ikonen, Skulpturen, aber auch an eindrückliche Beispiele zeitgenössischer Kunst …
Ich bin der ferment-Redaktion dankbar für diesen sorgfältigen Umgang mit dem Bild.
Die Themen
Ich habe mir ein paar Schwerpunkt-Themen der letzten ferment-Jahrgänge notiert: Fenster ins Leben / Seerosen / Suchen und finden / Im Kerzenlicht / Wo Kirche lebt / Im Fluss / Hurra, wir leben / Herzwärts / Kleine Dinge ganz gross / Die Seele an die Sonne hängen.
Gott kommt in den Titeln selten vor. Und doch erhält ferment den Katholischen Medienpreis, weil es den Reichtum der christlichen Botschaft aufzeigt. Zu Recht?
Ich habe mit besonderer Aufmerksamkeit die Echos aus dem Leserkreis des ferment angeschaut. Jemand schreibt: «Ich bin so traurig über das letzte ferment. Es ist so psychologisch. Ich wünsche mir wieder mehr Mut zum Glaubensgehorsam.»
Das ist eine der kritischen Stimmen, die den Katholischen Medienpreis nicht verliehe.
Die Mehrheit der Echos hat aber einen anderen Tonfall:
- «Herzlichen Dank für die erdige Spiritualität und die humorvolle Tiefe»
- «Bin fasziniert von Kleine Dinge ganz gross. Alles Geschaffene regt an
zum Zwiegespräch und zur Begegnung mit dem Schöpfer-Gott»
- «Diese Aufsätze hat das Leben geschrieben. Bei manchen Sätzen musste ich tief
durchatmen, weil sie mich berührten und meine Augen feucht werden liessen»
- «ferment weitet und vertieft den Blick für das Wesentliche im Leben»
- «Sogar mein 18jähriger Sohn, der nichts von Kirche wissen will,
hat Interesse am ferment»
Ich möchte es persönlich so zusammenfassen: Wenn ich das ferment aufschlage, merke ich gleich: Da komme ich vor. Da ist von mir die Rede. Da erfahre ich etwas über mich, über uns. Ich lasse mich hineinführen in die Tiefe, zu den grossen Fragen des Lebens; zu dem «was mich unbedingt angeht».
Die Redaktion des ferment holt mit der Themenauswahl die Menschen von heute in ihrer Lebenswelt ab; auf feinfühlige Art, einladend, aber nicht vereinnahmend; hinführend zu den Quellen des christlichen Glaubens. Es geschieht im Rahmen des Verkündigungsauftrages der Kirche, ohne Zweifel, aber eben auf eigene, originelle, ansprechende Art, die die Menschen von heute zu erreichen vermag. Diese Leistung verdient Anerkennung, Lob und Ermutigung zur Fortsetzung.
Zwei kurze Anmerkungen dazu.
Zeitschriften mit kirchlichem Hintergrund, ich denke auch an Pfarrblätter und Kirchenzeitungen – Zeitschriften, die es schaffen, Menschen von heute anzusprechen, bilden eine Brücke zu jenen, die Berührungsängste mit der Kirche haben. Ich weiss aus dem eigenen Bekanntenkreis, dass viele auf diesem Weg den Kontakt mit der angestammten Kirche behalten und behalten wollen. Sie finden in diesen Medien so etwas wie Seelennahrung, die verhindert, dass der christliche Glaube verdunstet.
Zum Zweiten: Die Einführung eines Magazin-Teils im ferment halte ich für einen besonders klugen «Schachzug». Da hat eine Fülle von spirituellen und kirchlichen Impulsen Platz. Was die einzelnen Ausgaben bereichert. Und ich als Leser habe die Wahl, mich mehr dem einen oder andern Teil zuzuwenden.
Die Kontinuität
Für Menschen meines Alters war ferment lange Zeit mit drei Namen verbunden: Pater Wallhof, Fernand Rausser, Karl Rüde. Und mit der bangen Frage: Was nachher? Wer immer nachfolgt, wird es schwer haben.
Seit einigen Jahren ist ein neues Team am Werk. Die Zeitschrift hat sich gewandelt. Das zeigt sich vielleicht in einer grösseren Vielfalt. Mag sein, dass nach drei Männern die frauliche Sicht mehr Gewicht hat. Aber es ist auch Kontinuität da, was die schon angesprochene Qualität betrifft. Die neue Redaktion ist mit Sensibilität und Respekt gegenüber den Vorgängern an die Arbeit gegangen. Auch dafür hat sie diesen Preis verdient.
Die Pallottiner
Zu dieser Laudatio gehört der besondere Dank und das Lob an die Adresse der Pallottiner.
Als die neue Redaktion feststand, war ich gespannt, ob sich die Pallottiner mit der Zeit auf die Rolle des Verlegers zurückziehen werden. Mit Freude stelle ich das Gegenteil fest. Sie stehen nicht nur hinter dem Konzept, sie gestalten die Zeitschrift mit, bestimmen den Kurs und geben den Mitarbeitenden doch grosse Freiheit. Das ist in der kirchlichen Landschaft dieser Tage nicht selbstverständlich. Möge es weiterhin so bleiben. Ein wacher, schöpferischer und humorvoller Engel möge den weiteren Weg des ferment behüten. Danke. |
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