Neue Mission in Taiwan

Seit über einem Jahr sind die beiden indischen Mitbrüder P. Jesus Anthony John SAC und P. Leo Antony SAC in Taiwan. Sie stammen aus der Bangalore-Provinz. Auf Anregung des Generalates hat sich die Schweizer Pallottiner-Provinz bereit erklärt, eng mit der Taiwan-Mission zusammen zu arbeiten. Mit der Provinz in Bangalore wurde vereinbart, dass diese engere Zusammenarbeit im Sinne einer finanziellen Unterstützung nach der Phase des Einlebens, der Inkulturation und des Erlernens der schwierigen chinesischen Sprache erfolgen wird.

Nun wurde in den indischen Provinznachrichten ein längerer Bericht der beiden Mitbürder veröffentlich, den wir hier gerne wiedergeben mit der Hoffnung, dass er auf grosses Interesse stösst und die Mitbrüder wie auch die Mitglieder der UAC sensibilisiert auf diese grosse Herausforderung, zu der wir etwas beitragen können und wollen.

 

Mission in Taiwan, Bericht der beiden indischen Mitbrüder

Die missionarische Tätigkeit des 21. Jh. ist etwas mehr, als den christlichen Glauben zu predigen. Heute wird vom Missionar erwartet, abenteuerlich zu sein, obwohl das natürlich immer damit

verbunden ist, sich für Christus einzusetzen.
Solche Abenteuer beinhalten immer, sich auf das Wagnis des Glaubens einzulassen.
Durch die speziellen Charakteristika der orientalischen Gesellschaften zeigt sich die Aufgabe der Evangelisation oft genug als komplexer, als wir denken. Hier ist Mission nicht gleich Konversion. Die Missionsarbeit in Taiwan ist konfrontiert mit einer Anzahl von Herausforderungen.
Taiwan ist in der Tat ein einzigartiger Ort. Hier zeigt sich eine grosse Notwendigkeit für missionarische Bildung, Anhänger zu gewinnen und Führung zu übernehmen. Die Methoden der Evangelisation fordern mehr als blosse Überredungskunst.
Um dies zu erreichen haben wir uns versuchsweise vorsichtig das folgende Programm vorgenommen:
Erstens, wir bieten einen Lebensweg an, der sich bemüht ganz dem Gebot der Liebe zu entsprechen. Um das zu erreichen versuchen wir in unserem persönlichen Leben radikal nach dem Evangelium zu leben.
Zweitens, wir teilen den spezifischen Beitrag der Pallottiner mit den Menschen von Taiwan, besonders das pallottische Erbe der Spiritualität.
Drittens, wir wollen in unseren missionarischen Unternehmungen wahrhaftig universal und apostolisch sein.
Viertens, wir wollen eine Beziehung aufbauen zwischen den Gläubigen und der kirchlichen Hierarchie.
Das ist das Dringende, was hier jetzt ansteht. Es kann gesagt werden, dass die Rolle der Pallottiner, auf das Ganze gesehen, sich daraufhin konzentriert, in Taiwan eigene Berufungen heranzuziehen.
In wenigen Aufzeichnungen will ich zuerst einen geschichtlichen Abriss des Inselstaates und seiner Bevölkerung als auch unserer eigenen Erfahrung in Taiwan geben.
Dem Westen war Taiwan zuerst als „Insula Formosa“ eben als Schöne Insel bekannt.
Die Landfläche Taiwans erstreckt sich über ca. 36.000 km2 und weist eine Bevölkerung von 23 Millionen aus. Der grössere Anteil der Bewohner dieses Landes sind Nachkommen der Einwanderer verschiedener Provinzen aus dem chinesischen Festland. Taiwans offizielle Sprache ist Mandarin, in weiten Kreisen wird aber auch Taiwanisch gesprochen. Die Umrisse der Insel weisen die Form eines gekrümmten Laubblattes auf. Geographisch gesehen liegt sie vor der Süd-Ost-Küste des asiatischen Kessels, gegenüber der Taiwan-Meerenge und dem Hauptland China – eine Insel an der westlichen Ecke des pazifischen Ozeans.

 

Taiwan geniesst das ganze Jahr über warmes Wetter. Die stärksten Schwankungen in den Wetterverhältnissen zeigen sich in Frühling und Winter, während in Sommer und Winter das Wetter relativ stabil bleibt. Während der Zeit der Entdeckungen im 16.Jh. kamen Seeleute aus dem Westen um im Fernen Osten Kolonien zu errichten und Handelsbeziehungen aufzunehmen. In der ersten Hälfte des 17.Jh. errichteten die Holländer ihre Präsenz, sie leiteten dort missionarische Tätigkeiten, trieben Handel und die Produktion verschiedener Güter. Im späten 19.Jh. erreichte die Welle des Imperialismus die Küste von Taiwan.  Die Insel wurde eine japanische Kolonie und sollte 50 Jahre unter japanischer Herrschaft bleiben. In dieser Zeit entwickelte sie sich von einer traditionellen zu einer modernen Gesellschaft. Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Taiwan von der kolonialen Herrschaft befreit. Von da an hat sich die Insel geradezu zu einem wirtschaftlichen Wunder entwickelt, hat politische Demokratie erreicht und damit die Aufmerksamkeit der Welt auf sich gezogen. Taiwan ist in höchst verschiedenen religiösen Glaubenshaltungen aufgesplittert, als da sind: Buddhismus, Taoismus, Christen, Mormonen, die Unierte Kirche, der Islam aber auch ursprüngliche Sekten wie Yiguandao und weitere. Das Land respektiert nicht nur traditionelle Glaubensausrichtungen sondern ist offen für jede Art von Glaubensinhalten von überall her. Die allermeisten religiös praktizierenden Bewohner in Taiwan sind Anhänger des Buddhismus, Taoismus und Volksreligionen, ausgenommen ist eine kleine Anzahl von rein buddhistischen Tempeln, eigenartigerweise ver-einen die meisten der traditionellen Kultstätten alle drei Glaubenstraditionen

Konfuzionismus ist ein weiterer wichtiger Glaubensweg in Taiwan.
Ich hoffe, ich habe ihnen damit einen kleinen Einblick in das Bild von Taiwan geben können. Wie auch immer, das Interessanteste steht als Aufgabe an.
Unsere Ankunft in Taiwan war ein Augenblick der Freude aber auch der Fragen und Bedenken. Freude aus verschiedenen Gründen: es war der erste Schritt der Bangalore-Provinz „Mariä Aufnahme in den Himmel“, ihre Mitglieder in den Fernen Osten auszusenden. Es war also ein stolzer Augenblick für die Pallottiner, in Verantwortung ein Erbe weiterzuführen, das unser Vermögen eigentlich übersteigt. Dafür nahmen wir Zuflucht zu unserer Patronin der Seligen Jungfrau Maria und unserem Gründer Vinzenz Pallotti.
Es war ein Augenblick der Erkenntnis. Die Umsetzung der Vision unseres Gründers durch die Errichtung einer Mission ist in sich selbst als Sendung bereits äusserlich ausgeführt. Der andere Teil ist die Glaubwürdigkeit des gelebten Lebens.
Wir hoffen, dass viele weitere Mitbrüder uns in der Erfüllung dieser Mission zur Hand gehen. „Ein Mensch ohne Visionen ist ein Mensch ohne Leben“. Als wir in Taiwan landeten hiessen uns eine kühle Brise und warme Emotionen willkommen. Es war der Bischof 
von Taichung, der uns am Flughafen von Taipei empfing.

Sein liebenswürdiges Lächeln und seine offenen Arme liessen uns sofort zu Hause fühlen. Alles um uns war fremd. Wir wurden willkommen geheissen mit kaltem Tee, für uns ungewohnt. Dann wurden wir zum Lunch eingeladen. Wir wussten eigentlich nicht, was uns erwartete. Wir hörten eigenartige Geräusche von den Tischen um uns her, es war das Klappern von Chopsticks und ich wünschte, ich hätte schon in Indien gelernt, mit Stäbchen zu essen. Das ist der Anfang unserer Erfahrung. Mittlerweile haben wir uns natürlich etwas eingelebt. Das Essen ist vollständig anders in seiner Herstellung, seinem Geschmack und seiner Zusammenstellung. Noch immer versichern wir uns, dass unser Magen sich an die Küche hier gewöhnen wird. Die Kultur, die Tradition und das Erbe des Volkes muss man einfach bewundern. Alles ist verblüffend, schön und gleichzeitig eine Herausforderung. Wir sind in zwei verschiedenen Pfarreien platziert. P. Antony John Jesus im Herz der Diözese, in der Kathedrale Christus der Erlöser, P. Leo Antony in der Pfarrkirche St. Patrick. In der Verständigung war nicht alles zum Besten bestellt. Wir wurden umgehend in einer Universität eingeschrieben um Chinesisch zu erlernen. Zu Beginn vernahmen wir die Spracheigenschaften vergleichbar schöner Gemälde, aber die Aussprache bleibt ein ewiger Kampf. Mittlerweile hören wir darin eine schöne Melodie. Es ist ganz interessant diese Sprache zu erlernen. Es erinnert an die Tage der ersten kindlichen Einschulung. Die Leute in der Pfarrei sind uns eine grosse Hilfe, wenn es darum geht, das Gelernte anzuwenden. Wie auch immer, es ist ein ewiges Ringen mit einem süssen Beigeschmack.

 

Der Glaube der Menschen ist sehr stark aber es sind sehr wenig Gläubige. Das macht die Mission je länger je mehr zur Herausforderung, besonders im Blick auf den wirtschaftlichen Aufrieb. Taiwan ist wirtschaftlich stark und gehört unter die schnell sich entwickelnden Länder der Welt. Da sind vielmehr Missionare aus ganz verschiedenen Teilen der Welt als etwa einheimische Priester. Die Berufungen sind gleich Null.
Das Wort unseres Herrn Jesus Christus passt zur Stelle: „Die Ernte ist gross, aber der Arbeiter sind wenige“. Da sind viele, die von Christus und von seinem Evangelium nichts wissen.
Diese wenigen Gedanken geben einen gewissen Einblick in unser Leben, eine schwache Ahnung von unserem Aufenthalt hier. Die Zukunft erwartet uns in diesem Teil der Welt. Die Mission hier verlangt nicht nur die tätige Mitarbeit von weiteren Mitgliedern unserer Gemeinschaft als ebenso das Gebet aller in der gemeinsamen Unterstützung.
Für Sie alle betend verbleiben wir


P. Jesus Anthony John und P. Leo Antony